Wird Deutschland Marktführer in Batteriezellenproduktion?

Einer Prognose des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung zufolge könnte Deutschland bis zum Jahr 2030 zum absoluten Führungsland in Sachen Batteriezellenproduktion reifen und rund 40 Prozent des Bedarfs Europas abdecken.

Einer Prognose des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung zufolge könnte Deutschland bis zum Jahr 2030 zum absoluten Führungsland in Sachen Batteriezellenproduktion reifen und rund 40 Prozent des Bedarfs Europas abdecken.

Der vom Fraunhofer Institut berechnete Bedarf an Produktionskapazitäten für Batteriezellen beträgt demnach rund 1,5 Terawattstunden, dem zehnfachen des heutigen Werts. Fast 400 Gigawattstunden an Produktionskapazitäten könnten nach der Berechnung aus Deutschland stammen.

Bis 2025 könnten die aktuellen in Europa vorhandenen Produktionsmengen auf über 500 Gigawattstunden steigen und sich somit vervierfachen – und bis 2030 dann auf bis zu 1,5 Terawattstunden verzehnfachen.

Deutschland: Batteriezellenstandort Nummer 1?

Damit würden bis zum Ende des Jahrzehnts ungefähr ein Viertel der global angekündigten Produktionskapazitäten in Europa entstehen.

In Europa erstrecken sich die Projekte zum Aufbau von Batteriezellfabriken auf mindestens fünfzehn Länder. Der Schwerpunkt liegt in Deutschland, wo mit rund 400 Gigawattstunden bis 2030 rund ein Viertel der europäischen Produktionskapazität entstehen soll.

„Dieser rasante Aufbau wird maßgeblich durch europäische Akteure wie Northvolt, VW und ACC getrieben. Allein die drei Genannten haben gemeinsam ungefähr ein Drittel der europäischen Zellproduktionskapazitäten angekündigt“, so Lukas Weymann vom Fraunhofer ISI.

Außerdem teilte das Fraunhofer Institut mit, dass neben den europäischen Herstellern auch nichteuropäische Unternehmen wie CATL (China) und Tesla (USA) Werke hochziehen. Ebenso haben die beiden südkoreanischen Akteure Samsung SDI und LGES angekündigt, in ihren osteuropäischen Fabriken weiter zu investieren.

So kommen mittlerweile mehr als 40 Akteure zu der Ankündigung, Batteriefabriken in Europa aufzubauen. 

Mitsubishi & Novali unterzeichnen Absichtserklärung

Passend hierzu hat das belgische Batterieunternehmen Novali mit Mitsubishi Eleectric Europe eine Absichtserklärung unterzeichnet, weitere Produktionskapazitäten in Europa aufzubauen.

„Die Industrie sowie die Regierung sind sich einig, dass die Batteriezellenproduktion in Europa aufgebaut werden muss. Sie ist unerlässlich, um die Nachfrage zu befriedigen und eine unabhängige Produktion für den EU-Handelsblock zu schaffen“, erklärte Roald De Meyer, Mitbegründer von Novali, im Vorfeld der Vertragsunterzeichnung mit Mitsubishi Electric Europe.

Novali hat das Ziel, mehrere „Giga-Fabriken“ in Europa zu finanzieren und zu beliefern. Ab 2025 soll die Produktion beginnen.

Mit Mitsubishi hat das Unternehmen nun einen erfahrenen Partner an seiner Seite, um Automatisierungslösungen für die Lithium-Batterie-Produktion aufzubauen.

Aktuell: Batterien meist aus Fernost

Derzeit wird der Bedarf an Lithium-Ionen-Batterien zu großen Teilen aus China, Japan und Südkorea gedeckt. Dies soll sich bis zum Jahr 2025 deutlich verändern und Europa könnte zu einem Führungsstandort in Sachen Batterieproduktion werden.

Bundesregierung treibt Transformation des Standorts Deutschland voran

Auch die Bundesregierung in Deutschland verbessert den Standort Deutschland für dieses Vorhaben weiter. So hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor wenigen Wochen den Grundstein für die Batteriefabrik von VW in Salzgitter gelegt.

In kaum einer anderen Industrie falle die Transformation, die für das Erreichen der Klimaschutzziele notwendig sei, so grundlegend aus wie im Automobilbau, so der Kanzler. Das werde in Salzgitter ganz besonders deutlich: Das Werk stelle bis heute Verbrennungsmotoren her – mehr als 60 Millionen seit 1970. Da das Verbrennen fossiler Treibstoffen dem Ende zugehe, hätten sich alle großen Automobilhersteller für die Elektromobilität entschieden. Das habe entscheidende Einschnitte zur Folge, auch weil viele tausend Arbeitsplätze davon abhängen. Dies habe VW erkannt und gründe deshalb in Salzgitter seine neue Batteriezentrale, so der Kanzler. Das bedeute eine Wende von 180 Grad, die hohe Anforderungen an alle stelle. 

Scholz verwies in diesem Zusammenhang auf die Corona-Pandemie und Russlands Überfall auf die Ukraine, aber auch auf das im Suez-Kanal festhängende Schiff, die Ever Given, die vor einigen Monaten die Produktionsketten ins Wanken brachte.

„Wir wollen, dass auf Deutschlands Straßen bis zum Jahr 2030 15 Millionen Elektrofahrzeuge fahren. Wir wollen, dass Wertschöpfung und Arbeitsplätze hier bei uns in Deutschland und Europa bleiben. Wir wollen die Klimatransformation hinbekommen und zugleich Industrieland bleiben. Darum ist klar, dass wir eine eigene Batteriezellenproduktion brauchen, hier bei uns in Europa, hier bei uns in Deutschland und hier bei Ihnen in Salzgitter“

Olaf Scholz, Bundeskanzler Deutschland

Wenn man als Deutschland und Europa nicht von China und den USA abgehängt werden will, müsse man noch stärker als bisher auf Zukunftstechnologien setzen, so VW-Chef Herbert Diess. 

Die neue „SalzGiGa“-Factory von VW solle maßgeblich dazu beitragen, eine Führungsrolle zu übernehmen. Bereits in der ersten Ausbaustufe sollen 20 Gigawattstunden Produktionskapazität pro Jahr entstehen. In Stufe zwei sollen dann 40 Gigawattstunden Leistung entstehen, was für rund 500.000 E-Autos pro Jahr reichen soll.  

Bis 2030 möchte Volkswagen mit seinen Partnern sechs Zellfabriken mit einer Kapzität von 240 GWh Produktionsleistung betreiben – alle in Europa.

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