Jedes zweite Unternehmen verschiebt Investitionen

Rund die Hälfte aller deutschen Unternehmen kann einer Studie der Beratungsgesellschaft "Ernst & Young" (EY) zufolge geplante Investitionen nicht durchführen.

39 Prozent mussten sich sogar komplett aus bestimmten Märkten zurückziehen, berichtet die „Welt am Sonntag“. Weltweit waren es mit 43 beziehungsweise 30 Prozent deutlich weniger.

EY hat für die Umfrage weltweit 760 Vorstandsvorsitzende von Großunternehmen befragt, davon 100 in Deutschland. „Deutsche Unternehmen haben in der Vergangenheit vom freien, internationalen Handel enorm profitiert“, sagte Constantin Gall, Partner bei EY in der Region Westeuropa, dem Bericht zufolge. Deutschlands Wirtschaft sei aber zugleich besonders stark auf freie Handelswege, internationale Regelungen und sichere Lieferketten angewiesen. „Aktuell steht dieses Geschäftsmodell Deutschlands angesichts der vielen Krisenherde vor der vermutlich größten Herausforderung seit dem Bestehen der Bundesrepublik.“ Nicht nur die Energiekrise und die Inflation belasten die deutsche Wirtschaft. Auch die Pandemie beunruhigt die Unternehmen nach wie vor. 53 Prozent sehen neue Unterbrechungen der weltweiten Handelsketten und Wirtschaftsprozesse wegen der Pandemie als das größte Risiko, neun Prozent mehr als im internationalen Vergleich. Das liege vor allem daran, dass deutsche Firmen besonders stark in China engagiert sind, wo die Regierung nach wie vor eine strikte Null-Covid-Strategie verfolgt, heißt es. Derzeit befinden sich rund 200 Millionen Menschen in dem Land im Lockdown. „Wir erleben seit vielen Monaten, wie Lieferschwierigkeiten ganze Branchen in einen ständigen Ausnahmezustand versetzen und zu erheblichen Kostenbelastungen führen“, sagte Gall. „Nun kommen eine drohende Rezession und eine Energiekrise in Europa hinzu – und diese trifft Deutschland, das sich von russischem Gas abhängig gemacht hat, besonders hart.“ Er fürchtet, dass den deutschen Unternehmen extrem herausfordernde Monate bevorstehen.

„Findet die deutsche Wirtschaft hier keine Lösungen, droht mehr als der Verlust des Titels des Exportweltmeisters“, so Gall. Es gehe um Arbeitsplätze und nicht zuletzt um Deutschlands Wohlstand.

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